Digital Humanities Day #3

14. & 15. Januar 2021

Abstract:

Das deutsche Handelsunternehmen L. Kniffler & Co. wurde 1859 in Nagasaki gegründet. Es war das größte deutsche Japan-Handelshaus im 19. Jahrhundert und eines der ersten euroamerikanischen Handelshäuser, die sich nach der Aufgabe der Isolationspolitik in Japan niederließen. Ungewöhnlich ist auch die lange Tradition des Unternehmens, das in Form der Rechtsnachfolgerin C. Illies & Co. mit Sitz in Hamburg bis heute im Asienhandel aktiv ist.

Im Besitz von C. Illies & Co. befinden sich 179 Briefe, die diverse Geschäftspartner in Asien und Europa im Zeitraum von 1859 bis 1876 an L. Kniffler & Co. sandten. Die Edition der Briefe kann der Forschung auf dem Gebiet der Wirtschaftsgeschichte zur Zeit der beschleunigten Globalisierung und beginnenden Einbindung Japans in den Welthandel Mitte des 19. Jahrhunderts neue Impulse geben.

Das Projekt umfasst die digitale Edition der gesamten noch erhaltenen Korrespondenz. Die Korrespondenz wurde bereits in XML/TEI transkribiert und die deutschsprachigen Briefe ins Englische übersetzt. Eine geplante, tiefere Auszeichnung der Briefe wird aktuell realisiert. Hier werden vor allem die in einem separaten Anmerkungsapparat erläuterten Kommentare erfasst und mit id-Verweisen versehe. Insbesondere werden die Orte, Personen und Firmen ausgezeichnet werden und die Einträge, sofern vorhanden, mit Normdaten bzw. Ortskoordinaten verknüpft werden.

Da viele der Umschläge überliefert wurden, und im Kontor von Kniffler & Co. jeder eingehende Brief mit dem Datum des Eingangstages versehen wurde, wurden sämtliche Daten und Orte in den Poststempeln ausgezeichnet bzw. werden noch ausgezeichnet. Dadurch lassen sich die postalischen Wege und die Geschwindigkeitsentwicklung der brieflichen Kommunikation am Beispiel dieses international operierenden Handelshauses nachzeichnen. Besonders interessant wird diese Frage vor dem Hintergrund des im Überlieferungszeitraum fertiggestellten Suezkanals.

Weil es sich um Geschäftskorrespondenz handelt, wurde das Augenmerk weniger auf die formale Gestaltung der Briefe gelegt, dafür stärker die wirtschaftliche Komponente in den Blick genommen. Es werden also bei der tiefergehenden Auszeichnung nicht die Fragen nach Eröffnungsformen oder den Grußformeln im Zentrum stehen, sondern die Verwendung von Währungen und Preisentwicklungen. Hier wäre eine Diskussion der Möglichkeiten, die das -Element und die bieten, für den Abschluss des Projektes sehr interessant.

Die Präsentation der Edition erfolgt mit dem TEI-Publisher. Anpassungen der Darstellung und die parallele Präsentation von Transkription, Übersetzung und Faksimile sind Aufgaben, an deren technischer Lösung aktuell gearbeitet wird, für die sich aber auch, im Laufe der Bearbeitung, neue Anforderungen erst zeigen werden. Auch hier wäre ein anregender Austausch wünschenswert.

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